{"id":239043,"date":"2019-11-19T10:52:49","date_gmt":"2019-11-19T08:52:49","guid":{"rendered":"https:\/\/stg.beecare.ch\/?p=239043"},"modified":"2023-05-08T16:00:21","modified_gmt":"2023-05-08T14:00:21","slug":"inkontinenz-bei-alteren-menschen-was-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stg.beecare.ch\/de\/news\/inkontinenz-bei-alteren-menschen-was-tun\/","title":{"rendered":"Inkontinenz bei \u00e4lteren Menschen: Was tun?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Inkontinenz bei \u00e4lteren Menschen<\/strong> kann zu Schamgef\u00fchlen und Isolation vom gesellschaftlichen Leben f\u00fchren und ist ein Problem, das sowohl mit gezielten medizinischen Behandlungen als auch bei Bedarf mit emotionaler Unterst\u00fctzung gehandhabt werden muss, um zu verhindern, dass der oder die Betroffene es benutzt, um soziale Kontakte und Angeh\u00f6rige zu meiden.<\/p>\n<p>Wir haben <strong>Dr. med. Michele Ferretti<\/strong>, Facharzt f\u00fcr Geriatrie und Allgemeine Innere Medizin der Klinik <strong>Moncucco in Lugano<\/strong>, gebeten, uns das Thema Inkontinenz bei \u00e4lteren Menschen n\u00e4her zu erl\u00e4utern.<\/p>\n<h2>Ursachen f\u00fcr Inkontinenz bei \u00e4lteren Menschen<\/h2>\n<blockquote>\n<p>\u201eInkontinenz l\u00e4sst sich in drei gro\u00dfe Gruppen unterteilen: Belastungsinkontinenz \u2013 in diesem Fall reicht es beispielsweise bereits aus, zu husten, um ein paar Tropfen zu verlieren; Dranginkontinenz \u2013 wenn der oder die Betroffene nicht rechtzeitig auf Toilette kommt; und gemischte Inkontinenz, bei der beide oben aufgef\u00fchrten Faktoren ins Spiel kommen\u201c, erkl\u00e4rt der Geriater der Klinik in Lugano.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Wodurch werden diese drei Arten der Inkontinenz bei \u00e4lteren Menschen verursacht?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEs gibt viele Ursachen hierf\u00fcr: von einer <strong>banalen Harnweginfektion<\/strong> bei einem Menschen mit mangelnder Muskelkraft im Beckenboden \u00fcber Muskelinkompetenz aufgrund von Muskelalterung bis hin zu <strong>Blasenhyperaktivit\u00e4t<\/strong>.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Problem betrifft dar\u00fcber hinaus nicht nur die Harninkontinenz, sondern auch die <strong>Stuhlinkontinenz<\/strong>, auch wenn diese beiden Beschwerden selten gemeinsam auftreten, wie Dr. Ferretti hinzuf\u00fcgt.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201eSehr oft handelt es sich bei Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz um zwei separate Probleme, die oft auch getrennt auftreten. Gemeinsam treten sie normalerweise nur bei zugrunde liegenden neurologischen Erkrankungen auf. Wenn sich der Beckenboden aufgrund von Muskelverlust oder fehlender Innervation entspannt, k\u00f6nnen sie jedoch durchaus gleichzeitig vorkommen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<h2>Behandlungen und Therapien <\/h2>\n<p>Allgemein denkt man bei der Behandlung von Inkontinenz nur an <strong>Windeln<\/strong>. F\u00fcr dieses Problem stehen jedoch noch weitere M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt mehrere <strong>Behandlungsformen und Therapien f\u00fcr Inkontinenz<\/strong>: von der Kausaltherapie wie beispielweise bei einer Infektion bis hin zu einer pharmakologischen Behandlung, die die Aktivit\u00e4t des Detrusors (der zur Entleerung der Harnblase verantwortliche Muskel) gezielt beeinflusst. Au\u00dferdem gibt es physiotherapeutische Ans\u00e4tze zur Muskelst\u00e4rkung. Und bei bestimmten Arten der Inkontinenz ist auch ein medizinischer bzw. chirurgischer Eingriff m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der erste Schritt ist in jedem Fall ein Gespr\u00e4ch mit dem Arzt oder mit dem <a href=\"\/de\/spitex\/\">h\u00e4uslichen Krankenpflegepersonal<\/a>, um eine L\u00f6sung zu suchen, ohne das Problem zu banalisieren\u201c, r\u00e4t Dr. Ferretti.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201eBei der Stuhlinkontinenz handelt es sich oft um ein komplexeres Problem. Aber auch in diesem Fall gibt es interessante Ans\u00e4tze in der Physiotherapie und in der Chirurgie, mit Hilfe von Neurostimulatoren.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Kann die Inkontinenz bei \u00e4lteren Menschen vollst\u00e4ndig heilen? \u201eSicherlich gibt es Behandlungsm\u00f6glichkeiten, um die Symptome stark zu reduzieren, und wenn die Ursache eine Infektion ist, ist praktisch immer eine Heilung m\u00f6glich. Bei Muskelproblemen oder neurologischen Krankheiten kann die Inkontinenz dagegen nur gemildert werden. In jedem Fall muss man mit dem Patienten sprechen und bewerten, welches Ziel er erreichen m\u00f6chte und welches die unangenehmsten Situationen sind. Auf der Grundlage dieser Erw\u00e4gungen werden dann individuelle L\u00f6sungen gesucht.\u201c<\/p>\n<h2>Umgang mit der Inkontinenz eines Angeh\u00f6rigen in der Familie<\/h2>\n<p>Was den Umgang mit der Inkontinenz eines Angeh\u00f6rigen in der Familie betrifft, muss zun\u00e4chst zwischen Patienten mit und ohne kognitive St\u00f6rungen unterschieden werden, wie der Geriater erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>\u201eBei kognitiven St\u00f6rungen muss zun\u00e4chst mit dem Arzt und dem h\u00e4uslichen Krankenpflegepersonal offen dar\u00fcber gesprochen werden. Dar\u00fcber hinaus sind Infektionen als Ursache auszuschlie\u00dfen und eventuell eine Therapie zu verordnen. Dabei ist allerdings auf die Wechselwirkungen und die Gefahr eines Deliriums zu achten, die leider bei einigen dieser Behandlungsformen besteht. Wenn keine kognitiven St\u00f6rungen vorliegen, ist die unterst\u00fctzende Rolle der Familie von grundlegender Bedeutung. In beiden F\u00e4llen darf das Problem jedoch weder stigmatisiert noch banalisiert werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kann psychologische Hilfe f\u00fcr \u00e4ltere Menschen n\u00fctzlich sein, die an Inkontinenz leiden?<\/strong><\/p>\n<p>\u201ePsychologische Hilfe ist vor allem dann n\u00fctzlich, wenn der oder die Betroffene \u00fcber introspektive F\u00e4higkeiten verf\u00fcgt, da eine solche Hilfe vom Patienten angenommen und gezielt ausgerichtet sein muss. Bei Patienten mit kognitiven St\u00f6rungen ist ein solcher Ansatz dagegen leider kaum wirksam\u201c, f\u00e4hrt Michele Ferretti fort.<\/p>\n<p>Psychologische Hilfe ist wichtig, aber nur im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes. Kann man Inkontinenz im Alter vorbeugen?<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr die Vorsorge gibt es leider nur begrenzte M\u00f6glichkeiten. Es ist allerdings sicher hilfreich, physiotherapeutische \u00dcbungen zu machen, um den Muskeltonus zu verbessern, und auch Verhaltensweisen und Situationen zu vermeiden, die f\u00fcr die Betroffenen Probleme mit sich bringen k\u00f6nnen (z.B. Orte ohne Toiletten oder die Unm\u00f6glichkeit \u00fcber l\u00e4ngere Zeit, auf die Toilette gehen zu k\u00f6nnen, Fl\u00fcssigkeitszufuhr in bestimmten Momenten).<\/p>\n<p>Eine wirkliche Vorsorge gibt es nicht, und oft k\u00fcmmert man sich erst um Inkontinenz, wenn die Symptome bereits auftreten\u201c, so im Abschluss <strong>Dr. med. Michele Ferretti<\/strong>, Facharzt f\u00fcr Geriatrie und Innere Medizin der Klinik Moncucco.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben Dr. med. 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