{"id":239003,"date":"2020-11-16T08:50:21","date_gmt":"2020-11-16T06:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/stg.beecare.ch\/?p=239003"},"modified":"2023-05-08T16:00:16","modified_gmt":"2023-05-08T14:00:16","slug":"covid-19-informationen-und-empfehlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stg.beecare.ch\/de\/news\/covid-19-informationen-und-empfehlungen\/","title":{"rendered":"Covid-19: Informationen und Empfehlungen"},"content":{"rendered":"<p>Die <strong>Schweiz<\/strong> erlebt gerade die zweite Welle des neuen Coronavirus <strong>Covid-19<\/strong>. Im Unterschied zur ersten Welle stehen heute den \u00c4rzten und dem medizinischen Personal jedoch sehr viel mehr Informationen und Kenntnisse zur Bek\u00e4mpfung des neuen <a href=\"https:\/\/stg.beecare.ch\/de\/news\/coronavirus-und-altere-menschen-symptome-und-wie-man-damit-umgeht\/\"><strong>Coronavirus<\/strong><\/a> zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Dr. med. Pietro Gianella<\/strong>, Facharzt f\u00fcr Innere Medizin und Pneumologie des Krankenhauses in Lugano, erl\u00e4utert uns die Unterschiede zwischen <strong>Covid-19<\/strong> und einer normalen Grippe bzw. Influenza und gibt eine Reihe von Empfehlungen f\u00fcr den Umgang mit dieser neuen Krankheit.<\/p>\n<h2>Unterschiede zwischen Coronavirus und Grippe<\/h2>\n<p><em>\u201eBei Covid-19 handelt es sich um ein Virus, das eine akute Infektion der Atemwege verursacht. In den meisten F\u00e4llen infiziert das Virus nur die oberen Atemwege (Nase, Hals), aber in 15-20% der F\u00e4lle kann die Infektion auch die Lungen betreffen und zu einem schwereren Verlauf der Krankheit f\u00fchren\u201c<\/em>, so der Arzt aus Lugano.<\/p>\n<p>\u201e<em>Sowohl die Grippeviren, oder Influenza-Viren, als auch Covid-19 sind <\/em><a href=\"https:\/\/stg.beecare.ch\/news\/pazienti-covid-e-fisioterapia-respiratoria\/\"><strong><em>Atemwegsviren<\/em><\/strong><\/a><em>, der Unterschied liegt jedoch darin, dass bei Covid-19 eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit zu Atemversagen aufgrund von verschiedenen physiopathologischen Mechanismen besteht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Unterscheiden sich die Inkubationszeiten der beiden Krankheiten? <\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em>Ja. Es sind 1-2 Tage f\u00fcr die Grippe und 4-5 Tage f\u00fcr Covid-19. Auch die Dauer der Krankheit ist unterschiedlich: Eine normale Grippe dauert 3 bis 5 Tage, im Falle des Coronavirus sind es 7 bis 14 Tage. In einem F\u00fcnftel der Covid-19 F\u00e4lle ist ein mittelschwerer oder schwerer Krankheitsverlauf zu beobachten, bei der Grippe dagegen liegt das Verh\u00e4ltnis bei 1 zu 50, d. h. einer von f\u00fcnfzig Erkrankten muss in ein Krankenhaus eingeliefert werden.<\/em><\/p>\n<h2>Symptome bei Grippe und Coronavirus: So unterscheiden sie sich<\/h2>\n<p>\u201e<em>Die Symptome \u00e4hneln sich im Wesentlichen, das Coronavirus unterscheidet sich von einer normalen Atemwegsinfektion jedoch durch eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit zu Atemversagen \u2013 der Aspekt, der am meisten Furcht einfl\u00f6sst\u201c<\/em>, f\u00e4hrt <strong>Dr. med. Pietro Gianella<\/strong> fort.<\/p>\n<p><em>\u201eDies ist auf eine Entz\u00fcndung des Lungengewebes, aber auch auf die Bildung von Thromben oder Blutgerinnseln im Lungengef\u00e4ssbett zur\u00fcckzuf\u00fchren. Auch der Verlust des Geruchs oder Geschmacks sind klinische Aspekte, die f\u00fcr Covid-19 spezifisch sind. Diese St\u00f6rungen k\u00f6nnen mehrere Monate andauern, im Allgemeinen erlangen die Betroffenen den Geruchs- und Geschmackssinn jedoch wieder. <\/em><\/p>\n<p>Die jahreszeitlich bedingte Gruppe ist nie asymptomatisch, w\u00e4hrend beim neuen Coronavirus eine Reihe infizierte Personen weitgehend asymptomatisch sind und andere wiederum an der Erkrankung sterben. Wie lassen sich diese Unterschiede erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p><em>\u201eIch untertreibe, wenn ich sage, dass noch nicht alles gekl\u00e4rt ist. In den letzten 10 Monaten wurden mehr als 60 000 wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema <strong>Covid-19<\/strong> herausgegeben, aber Vieles ist noch ungekl\u00e4rt. Die Viruslast kann eine Rolle spielen und auch die Entz\u00fcndungsreaktion ist sehr wichtig, wir sind jedoch nicht in der Lage vorherzusehen, wer eine schwere Covid-Infektion entwickeln wird und wer nicht\u201c<\/em>, erkl\u00e4rt der Arzt.<\/p>\n<p><em>\u201eAuch bei der jahreszeitlich bedingten Grippe kann das klinische Bild von einem Patienten zum anderen unterschiedlich sein. Hier spielen nicht nur das Virus, sondern auch die Merkmale der betroffenen Person eine nicht unerhebliche Rolle, d. h. ob es sich um eine \u00e4ltere oder um eine j\u00fcngere Person handelt, ob sie Begleiterkrankungen aufweist, oder der Grad der Immunsuppression. Dar\u00fcber hinaus ist zu ber\u00fccksichtigen, dass unser Immunsystem nicht immer gleich stark ist. Stresssituationen, mangelnde k\u00f6rperliche Fitness und <\/em><a href=\"https:\/\/stg.beecare.ch\/de\/news\/schlafstorungen-bei-alteren-menschen-abhilfen\/\"><strong><em>Schlafmangel<\/em><\/strong><\/a><em> sind einige der Faktoren, die es schw\u00e4chen k\u00f6nnen.<\/em>\u201c<\/p>\n<h2>Behandlung von Covid-19<\/h2>\n<p><strong>Gibt es eine Behandlung f\u00fcr Covid-19?<\/strong> <strong>Dr. med. Pietro Gianella<\/strong> antwortet: \u201e<em>Meiner Ansicht nach muss zun\u00e4chst zwischen \u201ebehandeln\u201c und \u201eheilen\u201c unterschieden werden. \u201eBehandeln\u201c im Sinne von \u201esich um die an Covid-19 erkrankten Personen k\u00fcmmern\u201c ist sicherlich m\u00f6glich. \u201eHeilen\u201c im Sinne von \u201eHeilmittel einsetzen, die die Krankheit heilen\u201c leider nicht. Das bedeutet nicht, dass wir dem Virus ausgeliefert sind, aber es ist sicherlich besser, eine Infektion mit Hilfe der Vorsorgemassnahmen zu vermeiden als bei bereits eingetretener Krankheit gegen das Virus zu k\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Wir wird Covid-19 behandelt? <\/strong><\/p>\n<p>Der Arzt des <a href=\"https:\/\/www.eoc.ch\/en\/Ospedali-e-Istituti\/Ospedale-Regionale-di-Lugano\/Civico-e-Italiano\/Presentazione.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">regionalen Krankenhauses von Lugano<\/a> unterscheidet zwischen den verschiedenen Stadien der Krankheit:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Leichte Covid-19 Erkrankung mit Patient in h\u00e4uslicher Pflege<\/strong>. Die Symptome sind in diesem Fall Fieber, Angstzust\u00e4nde, Unruhe. In diesem Fall kommt die antithrombotische Prophylaxe bei Patienten mit Risikofaktoren zum Einsatz: Personen im Alter von mehr als 50 Jahren, \u00dcbergewicht, Tumorerkrankungen und Tendenz zur Entwicklung von Thrombosen.<\/li>\n<li><strong>Mittelschwere Covid-19 Erkrankung mit Patient im Krankenhaus.<\/strong> Die Therapie umfasst in diesem Fall Sauerstoffversorgung, Fl\u00fcssigkeitszufuhr, thromboembolische Prophylaxe und Beatmung. Bei bakterischen Co-Infektionen (die in 10% der F\u00e4lle auftreten) werden Antibiotika verabreicht. Ebenso kommt Remdesivir zum Einsatz, ein antivirales Mittel mit breitem Wirkungsgrad, das die Sterblichkeit der eingelieferten Patienten zu reduzieren scheint. Wenn der Patient k\u00fcnstlich mit Sauerstoff versorgt wird, bekommt er auch systemisches Cortison, das bei schwerer oder kritischer Erkrankung die 28-Tage-Mortalit\u00e4t und Intubation reduziert.<\/li>\n<li><strong>Schwere und kritische Covid-19 Erkrankung mit Patient auf der Intensivstation.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<h2>Empfehlungen zur Bek\u00e4mpfung von Covid-19<\/h2>\n<p>Gegen\u00fcber dem Monat M\u00e4rz wurden Fortschritte gemacht und es gibt eine Reihe von Massnahmen, die zu ber\u00fccksichtigen sind, um die Verbreitung des Virus zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Pietro Gianella <\/strong>f\u00e4hrt fort: \u201e<em>Ich denke, dass wir einen grossen Schritt weiter sind, was das Verst\u00e4ndnis und die Anwendung der Vorsichtsmassnahmen betrifft: Schutzmaske, Desinfektion der H\u00e4nde, Abstand, Schutz der schw\u00e4cheren Personen und ich f\u00fcge eine Massnahme hinzu, \u00fcber die weniger gesprochen wird, auch wenn ihr Nutzen nachgewiesen ist: Auf Zigaretten und Tabak sollte verzichtet werden, da dies die Wahrscheinlichkeit des schweren Krankheitsverlaufs um 50% reduziert. <\/em><\/p>\n<p><em>Dies betrifft 20% der Bev\u00f6lkerung im Alter von mehr als 16 Jahren. Es mag zwar schwer erscheinen, in einer so stressigen Zeit wie dieser mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren, es w\u00e4re jedoch ein positiver Aspekt, dem man dieser Pandemie abgewinnen kann. Auf pharmakologischer Ebene sind unterst\u00fctzende Massnahmen wie die systemische Antikoagulation der im Krankenhaus befindlichen Patienten und der Personen mit Risikofaktoren eine Neuheit, die Ende April dieses Jahres eingef\u00fchrt wurde. Ausserdem stehen uns Daten \u00fcber die geringe Wirkung einiger Arzneimittel zur Verf\u00fcgung, die in der allerersten Phase eingesetzt wurden, was jetzt nicht mehr geschieht (Hydroxychloroquin und Lopinavir\/Ritonavir)<\/em>.\u201c<\/p>\n<h3>Gibt es Empfehlungen f\u00fcr ein Arzneimittel?<\/h3>\n<p>\u201e<em>Ich antworte provokativ: Vorbeugung. Wir haben noch kein spezifisches antivirales Mittel, das in der Lage ist, den Infektionsverlauf zu stoppen. Mit anderen Worten, es gibt kein einzelnes Arzneimittel, sondern bisher nur eine Reihe von unterst\u00fctzenden Massnahmen (Sauerstoffversorgung, Fl\u00fcssigkeitszufuhr, Beatmung) sowie pharmakologische Hilfsmittel (Antikoagulationsmittel, Cortison) zur Unterst\u00fctzung des Organismus w\u00e4hrend der Erkrankung und zur Vermeidung von Komplikationen. <\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind noch nicht in der Lage, den Verlauf einer Infektion durch Covid-19 zu beeinflussen.\u201c<\/em><\/p>\n<h2>Folgen des Coronavirus<\/h2>\n<p>Hinterl\u00e4sst Covid-19 dauerhafte Sch\u00e4den in den Lungen der Genesenen? \u201e<em>Wissenschaftlicher Literatur zufolge lassen sich bei ungef\u00e4hr einem Drittel der Patienten 3 Monate nach Krankenhauseinlieferung eine leicht bis moderat reduzierte F\u00e4higkeit der Lunge zur Sauerstoffaufnahme oder Ver\u00e4nderungen des Lungengewebes beobachten, die durch eine CT des Brustkorbs sichtbar werden.<\/em><\/p>\n<p><em>In Pneumologie und Innerer Medizin f\u00fchren wir gerade eine Untersuchung mit 40 Patienten durch, die in die Krankenh\u00e4user des Kantons eingeliefert wurden, und wir kommen zu den gleichen Ergebnissen. Wir werden sehen, ob 12 Monate nach der Infektion eine Verbesserung gegen\u00fcber den Ergebnissen nach 3 Monaten zu erkennen ist. <\/em><\/p>\n<p><em>Bei asymptomatischen Patienten besteht in jedem Fall kein Grund, spezifische Untersuchungen durchzuf\u00fchren. Bei anderen viral bedingten Atemwegsinfektionen wie SARS im Jahre 2003 sind diese Ver\u00e4nderungen nach 6-12 Monaten weitgehend wieder verschwunden, f\u00fcr Covid-19 liegen uns jedoch noch keine entsprechenden Daten vor<\/em>\u201c, schliesst <strong>Dr. med. Pietro Gianella<\/strong> ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Unterschied zur ersten Welle stehen heute den \u00c4rzten und dem medizinischen Personal sehr viel mehr Informationen und Kenntnisse zur Bek\u00e4mpfung des neuen Coronavirus zur Verf\u00fcgung. Wir sprechen mit Dr. med. 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